Tyra bringt frischen Wind ins Vielfraß-Gehege
Neuzugang für den Artenschutz: Tyra lebt künftig mit Vielfraß Kamppi zusammen
Der Wildpark hat eine neue Bewohnerin: Vielfraß-Dame Tyra, geboren am 10. Februar 2025, ist aus dem GaiaZOO Kerkrade in den Niederlanden zu uns umgezogen. Hier lebt sie künftig gemeinsam mit Vielfraß-Männchen Kamppi, der bereits seit 2014 im Wildpark zuhause ist. Er kam damals aus dem schwedischen Nordens Ark, das zugleich das Europäische Erhaltungszuchtprogramm (EEP) für den Vielfraß koordiniert. Die Zusammenführung der beiden Tiere erfolgte auf Empfehlung des Europäischen Erhaltungszuchtprogramms (EEP). Ziel des Programms ist es, langfristig genetisch gesunde Populationen bedrohter Tierarten in menschlicher Obhut zu erhalten. Dazu gehören eine gezielte Zuchtplanung, der Austausch von Tieren zwischen zoologischen Einrichtungen sowie die Unterstützung von Artenschutzprojekten und wissenschaftlicher Forschung.
„Moderne Zoos und Wildparks leisten heute weit mehr als die Haltung und Präsentation von Tieren. Durch Programme wie das EEP tragen wir aktiv dazu bei, bedrohte Tierarten für die Zukunft zu erhalten. Deshalb freuen wir uns sehr, mit Tyra eine junge Vielfraß-Dame bei uns begrüßen zu dürfen“, sagt Wildpark-Geschäftsführer Alexander Tietz.
Gelungene Eingewöhnung
Nach ihrer Ankunft durfte Tyra zunächst einige Tage in ihrer Schlafbox ankommen und sich in Ruhe an die neuen Geräusche, Gerüche und Menschen gewöhnen. Als sich schließlich zum ersten Mal der Schieber zur Außenanlage öffnete, streckte sie vorsichtig ihre Nase hinaus. Lange dauerte es jedoch nicht, bis sie mutig die ersten Schritte in ihr neues Gehege machte. Neugierig erkundete sie Baumstämme, Felsen und Sträucher – zur Freude unseres Tierpfleger-Teams. Nur zwei Tage später folgte bereits die erste Begegnung mit Kamppi. Für den betagten Vielfraß-Mann begann der Tag wie immer: Er putzte sich entspannt auf dem Rücken liegend und wartete auf sein Frühstück. Als Tyra schließlich auf die Anlage durfte, hielt Kamppi zunächst respektvollen Abstand. Die junge Vielfraß-Dame hingegen suchte sofort den Kontakt, lief ihrem neuen Mitbewohner hinterher und forderte ihn immer wieder zum Spielen auf. Nach einem kurzen Gerangel machte Kamppi ihr freundlich, aber bestimmt klar, dass im neuen Zuhause gewisse Regeln herrschen. Ernsthafte Auseinandersetzungen blieben aus – sehr zur Erleichterung unserer Tierpfleger. „Genau so wünschen wir uns eine erste Begegnung“, sagt Tierpflegerin Kim. „Kamppi hat Tyra ihre Grenzen aufgezeigt – mit Nachdruck, aber ohne Aggression. Beide Tiere konnten sich kennenlernen, ohne dass es zu ernsthaften Auseinandersetzungen gekommen ist. Das ist ein sehr gutes Zeichen.“
Kraftpakete mit erstaunlichen Fähigkeiten
Vielfraße sind die größten landlebenden Vertreter der Marderfamilie und erreichen eine Körperlänge von 65 bis 110 Zentimetern. Ihr Name führt übrigens in die Irre: Wahrscheinlich stammt „Vielfraß“ vom altnordischen Begriff „fjellfross“ beziehungsweise „fjeefräs“ ab, was so viel wie „Felsenkatze“ oder „Bergkatze“ bedeutet. Eine weitere Erklärung für den Namen ist ihre Angewohnheit, nahezu alles Essbare in Verstecken als Vorrat anzulegen. Die Nahrung richtet sich nach den Jahreszeiten: Im Sommer stehen vor allem Aas, Beeren, Triebe und Vogeleier auf dem Speiseplan. Im Winter jagen Vielfraße zusätzlich größere Beutetiere wie Rentiere oder Elchkälber oder nutzen Kadaver, die sie dank ihres kräftigen Gebisses und starken Krallen selbst im gefrorenen Zustand verwerten können. Weltweit ist der Vielfraß derzeit zwar nicht vom Aussterben bedroht, in Europa wird die Art aufgrund kleiner Bestände und der zunehmenden Zerschneidung ihres Lebensraums jedoch als gefährdet eingestuft. Wir freuen uns, mit Tyra und Kamppi nun weiterhin einen wichtigen Beitrag zum langfristigen Erhalt dieser faszinierenden Raubtierart zu leisten.
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